Lang ist es her seit dem letzen Post ... jetzt gehts weiter mit unseren Erlebnissen und Gedanken.
Janet hat gesagt sie würde gern auch im Urlaub beim Sex – im
Zelt, wir campen – gern so laut sein wie immer. Ich bemerke – „da gibt es einen
Campingplatz nur für Erwachsene – zusammen mit 3 anderen FKK-Plätzen im Tal der
Cèze. Da kann man und frau Sex auf dem Platz haben und es stört niemanden“. Ich
habe mit einem entrüsteten „Nein“ gerechnet. Es kam ... „kann man da auch nackt
wandern? Dann gehen wir da hin.“
So ging es dann Mitte Mai mit gepacktem Auto Richtung
Frankreich. Zwischenstopp mit Übernachtung im Angesicht von schneebedeckten
Bergen. Dann weiter im grau – grau des 2013er Frühlings. Regen – Regenschauer und
wieder Regen. Irgendwann dann die ersten blauen Lücken im Himmel, der Regen lässt
nach und der Himmel zeigt sich wolkig aber freundlich blau in den Lücken.
Irgendwann dann nach kurvenreicher Fahrt durch französisches
Mittelgebirge dann die erste Straßensperrung – Umleitung, die Ardèche ist über
die Ufer getreten. Das kann ja nett werden im Tal der Cèze. Weiter geht es auf
kurvigen – immer engeren Sträßchen – und dann das erste Hinweisschild ‚Camping
Ran de Chabrier‘ alt aber noch lesbar. Dann wird die Straße immer enger – Ein Zusatzschild
‚Paintball‘ taucht auf ... immer weiter geht es, mehr oder weniger verwitterte Schilder
tauchen auf. Und dann hört die Asphaltpiste auf und die Schotterpiste beginnt.
Hier sieht man die Regenschäden, tiefe Furchen queren den Weg – aber mit ein
wenig kreativer Fahrbahnausnutzung gut zu meistern. Langsam steigt die
Aufregung. Dann das Tor – ein Schild ‚Club privee – Adults only.
Das Auto wird
abgestellt, die Rezeption betreten. Eine junge, sympathische Mitarbeiterin erledigt
die Anmeldungsformalitäten. Wir werden Einjahresmitglied im Club privee. Dann
bekommen wir noch die Armbänder die uns als Campingbesucher identifizieren. Und
dann noch – Platz suchen. Wir lassen das Auto stehen und erkunden den Platz.
Komisch – Nackte, Halbnackte, Jogginganzugträger überall – auch noch jede Menge
Platz – aber kein Sex ... was steht da im Internet ... alles ganz normal.
Ein Platz wird gefunden, das Zelt aufgebaut – Blick aufs
Handy – kein Netz. Dann erstmal etwas relaxen und dann zum Nachbarn – das RdC
Forum feiert ein Reibekuchenfest – danke für die Einladung, das Abendessen kann
ausfallen. Und auch gleich viele Tipps: Kein Essen und keine Abfälle
herumstehen lassen, das lockt Wildschweine (frz: sanglier) an. Und das ist
nicht lustig. Und dann gibt es noch die zweibeinigen ‚sangliers‘, so werden die
überall und zu jeder Tages- und Nachtzeit herumstreifenden ‚Einzelherren‘ die
darauf warten einmal auf einen Gangbang eingeladen zu werden. Da das – speziell
zu unserer frühen und ausnahmsweise sehr kalten Jahreszeit – nicht vorkam –
spielten sie eben ausdauernd mit sich selbst.
Wandern:
Es gibt sehr schöne Wanderwege – rings um die vier
Campingplätze. Wer einigermaßen verantwortungsvoll ist hat immer was zum
Überziehen dabei – falls er in der ‚Zivilisation‘ landet. Und genügend zu
trinken.
Sex:
Haben wir öfter gehört – aber nur einmal in der
Öffentlichkeit gesehen. Auf einer Kiesbank auf der anderen Flusseite hat sich
ein junges Pärchen in der Sonne geliebt ... auf der ‚nicht-Sex-Seite‘ der Cèze
... aber anscheinend treffen sich dort öfter die Einheimischen
Komfort:
Sehr basic. Es gibt Strom, Wasser vom Brunnen, Toiletten
französisch (hinhocken) oder resteuropäisch (hinsitzen aber ohne Klobrille.
Also Haut auf Keramik). Toilettenpapier bitte selber mitbringen. Duschen alt
aber funktionsfähig.
Einkaufen:
Kleiner Supermarkt. Begrenzte Auswahl, morgens ab 9:00
frisches Brot. Manchmal später (der Platz scheint auf der Prioritätenliste des
Lieferanten nicht weit oben zu stehen), bei Pech ist das Brot ausverkauft.
Essen am Platz:
Restaurant vorhanden, aber haben wir nicht ausprobiert
Unterhaltung (nennen wir es mal so ;-) ):
Eine nette Bar mit allen Getränken die eine Bar so bietet.
Ein DJ der sehr sensibel auf die Tanzwut der Anwesenden (z.B. von uns)
reagiert. Hinter der Bar gibt es etwas Swingerclubfeeling – ein dunklerer Raum
mit Gucklöchern (auch in männlicher Hüfthöhe ...), ein Waschbecken, ein
weiterer Raum mit Matratze und die berühmte ‚Tischtennisplatte‘ verstärkt
(angeblich für extreme ‚Belastungen‘ auch rhythmischer Art) eine Spielwiese –
gepolstert, und ein paar Sofas. Witzig:
sobald ein Paar sich in den hinteren Bereich zu intimen Vergnügungen pilgern
alle anwesenden ‚sangliers‘ hinterher um mitmachen zu dürfen oder um einfach zu
schauen und sich dabei einen runterzuholen. Also eigentlich wie im Club – oder?
Was mich auch beeindruckt hat – jeder macht sein Ding. Eine Frau
radelt mit Sweatshirt und halterlosen Strümpfen durch den Campingplatz zur
Toilette. Zwischen Sweatshirt und Halterlosen – nix. Das trifft man nur hier.
Vorteile des Platzes (sehr persönliche Einschätzung):
-
Du kannst machen was du willst.
-
Du kannst deine Partnerin oder deinen Partner
anfassen wie und wann und wo du willst
-
Ihr könnt einfach Sex haben – wann ihr wollt, wo
ihr wollt – mit soviel Zuschauern wie ihr wollt. Oder auch ohne – einfach im
Zelt oder Caravan
-
Nacktwandern ist problemlos möglich. Einfach
innerhalb der Campingplätze bleiben – oder einfach unbekleidet die vielen
Wanderwege erkunden. Wir störten niemanden.
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Ganz viel Natur – viele Vögel tagsüber – nachts trällern
Nachtigallen
-
Kein Handyempfang (ok, fast kein ... es gibt
einen Platz an dem ein Antennenbalken auftaucht), sehr erholsam – wenn du mal
abgeschaltet sein möchtest
-
WLAN auf dem Platz vorhanden (im zentralen
Bereich, nicht überall!), ungeschützt, für lau, langsam
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Keine Kinder auf dem Platz
Nachteile (ebenfalls sehr persönlich):
-
Wenn es tagsüber angenehm ist – dann kann es
durch die Tallage nachts sehr kalt werden (wir hatten laut glaubhafter
Mitteilung eines Wohnmobilfahrers nachts 4,5°) – und es ist durch den Fluss
immer feucht
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Du musst die dauernde Anmache der ‚sangliers‘
abkönnen – auch wenn du keine Lust auf was auch immer hast
-
Kein Handynetz (ok, fast kein ... es gibt einen
Platz an dem ein Antennenbalken auftaucht), sehr stressig – wenn du nicht
abgeschaltet sein möchtest
Fazit:
Da wir jetzt wissen was uns erwartet – gern wieder. Nicht
für einen langen Urlaub, aber für ein paar Tage mit viel Natur ... und vielleicht
ein bisschen mehr.



